Stellungnahme zur Anfrage der Interessengemeinschaft "Wasserversorgung"

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Gemeinderatssitzung am 18.01.2021 haben Vertreter der Interessengemeinschaft „Wasserversorgung“ aus Döpshofen ein Schreiben an den Bürgermeister und die Mitglieder des Gemeinderates überreicht. Ziel der Anfrage war die Information über den aktuellen Sachstand der Trinkwasserversorgung insbesondere in Döpshofen, da es hier in den vergangen zwei Jahren mehrmals zu Störungen in der Versorgung gekommen war. Die Gemeindeverwaltung hat anschließend eine Stellungnahme zu den Fragen erarbeitet und diese in einem gemeinsamen Gespräch mit Vertretern der Interessengemeinschaft am 29.01.2021 im Bürgerhaus Döpshofen erörtert. Da eine Informationsveranstaltung für alle Bürger derzeit aus Infektionsschutzgründen nicht stattfinden kann, sollen die Fragen und die Stellungnahme der Gemeinde mit vorliegendem Schreiben allen Bürgern von Döpshofen zugänglich gemacht werden. Für weitergehende Informationen oder Fragen steht Ihnen die Gemeindeverwaltung jederzeit gerne zur Verfügung.

Viele Grüße
Jürgen Mögele
Erster Bürgermeister Gessertshausen 

Die Anfragen der Interessengemeinschaft sind nummeriert und fett gedruckt dargestellt; die Antworten der Gemeinde sind direkt unter der jeweiligen Frage platziert und in kursiv geschrieben.  

1. Die Freiwillige Feuerwehr Döpshofen ist bei einem Brand/Großbrand derzeit nahezu handlungsunfähig, da der so wichtige „Erstangriff über die Hydranten" in den ersten Minuten eines Brandes nicht möglich ist. Eine Entnahme von Löschwasser aus dem Leitungsnetz wurde den verantwortlichen Kommandanten der Döpshofer Feuerwehr bereits im September 2019 untersagt, und ist aktueller Stand! Ein untragbarer Zustand, der vielen Bewohnern (noch), aber vielleicht auch einigen Mitgliedern des Gemeinderates nicht in diesem Ausmaß bekannt ist und von den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Döpshofen so nicht mehr weiter hingenommen werden kann. Die Gemeinde ist nach Art.1 Abs.2 BayFwG verpflichtet (...) die notwendigen Löschwasserversorgungsanlagen bereitzustellen und zu unterhalten."

Antwort Gemeinde: Es ist korrekt, dass derzeit die Löschwasserversorgung nicht vollständig über die Hydranten abgedeckt werden kann. Gravierend war das vor allem im 2. Halbjahr 2019 und in 2020, wie die Information vom 1. Kommandanten Herrn Kramer zur Feuerwehrübung am 11.09.2019 zeigt. Damals ist der Wasserdruck massiv eingebrochen und die Druckerhöhungsanlage hat den Verbrauch nicht entsprechend nachsteuern können. Infolgedessen wurde der Kreisbrandrat Herr Zinsmeister informiert, welcher eine erweiterte Alarmierung veranlasst hat (Email vom KBR Zinsmeister vom 19.09.2019: „Bei den Einsatzstichwörtern B3, B3P, B4 und B Wald werden bereits in der Erstalarmierung zusätzlich 3.200 l Wasser disponiert.“). Wie im weiteren Verlauf unter dem Stichwort „Druckschwankungen“ erläutert, arbeitet die Gemeindeverwaltung zusammen mit einem Sachverständigen, einem Rechtsanwalt und der beauftragten Firma an der Lösung des Problems. Wie Tests im Dezember 2020 gezeigt haben, ist zumindest eine teilweise Löschwasserversorgung über die Hydranten wieder sicher gegeben. Stand heute kann die Feuerwehr im Brandfall den Erstangriff über Hydranten in Kombination mit wasserführenden Fahrzeugen durchführen. Endgültig „grünes Licht“ wird es dann geben, wenn die noch bestehenden Probleme mit der Anlagensteuerung beseitigt sind (siehe auch Antwort zu Frage 3) und die Wasserleitung zwischen Döpshofen und Weiherhof erneuert ist. Diese wird im Laufe des Jahres 2021 gegen eine größer dimensionierte Leitung ausgetauscht. Die Ausschreibung der Maßnahme erfolgt im Februar 2021.

2. In den vergangenen beiden Jahren 2019 und 2020 kam es vermehrt zu mitunter mehrstündigen Störungen in der Trinkwasserversorgung im gesamten Dorfgebiet. Eine betroffene Familie hat diese Ausfälle nachweislich mit Datum und Uhrzeit dokumentiert:
 27.05.2019 16:00 - 2:00 Uhr kein Wasser (10 Std.)
 05.09.2019 23:00 - 7:00 Uhr kein Wasser (8 Std.)
 06.09.2019 22.00 - 1:00 Uhr kein Wasser (3 Std.)
 17.09.2019 ab 20:00 Uhr kein Wasser
 29.09.2019 ab 9:00 Uhr kein Wasser
Auch im Jahr 2020 legten mehrere Wasserrohrbrüche die Wasserversorgung im gesamten Dorf - nicht nur in den nachfolgend genannten Straßen - des Öfteren lahm:
 25.10.2020 11:30 - 20:00 Uhr (8,5 Std.) kein Wasser, Scheppacher Straße + Mühlfeld
 26.10.2020 11:15 - 14:30 Uhr kein Wasser, Mühlfeld
 08.12.2020 ca. 23:00 - ca. 17:00 Uhr: Rohrbruch in der Wessobrunnerstraße (18 Std.) andere Straßen hatten ab ca. 7:00 Uhr, nachdem zwischenzeitlich in der Scheppacher Str. abgesperrt worden war, wieder Wasser (8 Std.) Gerade der zuletzt genannte Wasserrohrbruch in der Wessobrunnerstraße stößt auf Kopfschütteln im ganzen Ort: Um 23:45 Uhr wurde der Wasserrohrbruch von Bürgern lokalisiert, kurz nach 0:00 Uhr die Störungsmeldung an die SWA weitergleitet; hier erfolgte die Zusage, dass sich die SWA zeitnah darum kümmere. Bis in den Morgen hinein - bis mind. 6:00 Uhr sprudelte das Wasser weiterhin aus der mittlerweile defekten Teerdecke der Straße - es erfolgte also offensichtlich keine Handlung seitens der SWA. Auf diverse Nachfragen bei der Gemeinde sei laut SWA-Bericht eine Störmeldung erst im frühen Morgen eingegangen. Wieso leitet die SWA hier nachweislich falsche Informationen an die Gemeinde weiter!?!


Antwort Gemeinde: Die Tatsache, dass der Rohrbruch laufen gelassen wurde und weder die Leitung zugedreht noch eine Erstsicherungsmaßnahme durchgeführt wurde, hat die Gemeindeverwaltung gegenüber den Stadtwerken bereits scharf kritisiert; so etwas darf in Zukunft nicht mehr passieren. Hier laufen derzeit Gespräche zwischen der Gemeindeverwaltung und den SWA. Siehe hierzu auch Antwort zu Frage 8.

3. Das ganze Jahr 2020 über wurden von zahlreichen Bürgern extreme Druckschwankungen festgestellt und diese auch an die Gemeinde und den Bürgermeister gemeldet. Gerade bei höher gelegenen Häusern (z.B. Wessobrunnerstr., St.-Martin-Str., Weidestr. u.a.) kommt des Öfteren - von allen anderen unbemerkt - Luft, kein oder nur unzureichend Wasser aus der Leitung. Information der Gemeindeverwaltung zur Situation der Wasserversorgung in Döpshofen 3 Die oben dokumentierten Ausfälle der Trinkwasserversorgung hatten mehrere Folgen:
 Ein teures Hauswasserwerk eines Bürgers hat wegen Rohrbruch und fehlendem Wasser schon überhitzt. Wegen Angst vor einem weiteren Schaden ist dies zurzeit nicht eingeschaltet.
 Der Boiler eines anderen Bürgers war nach einem Trinkwasserausfall defekt. Es musste eine Neuanschaffung getätigt werden
 Ein weiterer Bürger berichtete von Problemen mit der Waschmaschine/ Spülmaschine aufgrund plötzlich fehlender, unangekündigter Wasserversorgung
 Vermutlich aufgrund der extremen Druckschwankungen/ Wasserrohrbrüche haben sich in den Leitungen vermehrt Sedimente gelöst; so berichten viele Bürger über deutlich mehr Schmutz an hauseigenen Vorfiltern und an Grobsieben direkt an den Wasserhähnen. Diese müssten vermehrt gewechselt oder gereinigt werden.  Beim Befüllen eines Glases Wasser aus dem Wasserhahn stellen Bürger vermehrt fest: Das Trinkwasser ist regelmäßig milchig!
 Landwirte, deren Tiere auf ausreichend Trinkwasser angewiesen sind, waren aufgrund der mehrstündigen Wasserausfälle auf sich allein gestellt.
 Familien, besonders auch mit kleinen Kindern, waren teilweise für mehrere Stunden ohne Hilfe sich selbst überlassen - betroffene Bürger mussten sich vor Ort des Schadens selbst über die Dauer der Maßnahme erkundigen.

Antwort Gemeinde: Vorab die Kurzversion zu den Ursachen der Druckschwankungen: Kurz gesagt entstehen die Druckschwankungen durch das nicht optimale Zusammenwirken der Programmierung und Anlagenkomponenten. Ziel ist, dieses Zusammenwirken so weit zu verbessern, dass Druckschwankungen nur noch in geringem Umfang ohne negative Auswirkungen für die Bürger und Bürgerinnen auftreten. Nachfolgend eine etwas detailliertere Erklärung: Der Ortsteil Döpshofen wird einerseits über den Brunnen Döpshofen, andererseits über die Druckerhöhungsanlage im Hochbehälter Margertshausen mit Wasser versorgt. Ist der Brunnen in Betrieb, fließt der Wasseranteil, welcher nicht in Döpshofen verbraucht wird, zum Hochbehälter Margertshausen. Da wir allerdings nur eine gewisse Menge aus dem Brunnen entnehmen dürfen, kann er nicht 24 Stunden pro Tag durchlaufen (der Brunnen läuft pro Tag ca. 6 Stunden lang; bei einer Fördermenge von 36 m³/h ergibt das 216 m³/Tag bzw. ca. 79.000 m³/Jahr; laut Wasserrechtsbescheid vom Landratsamt dürfen maximal 95.000 m³/Jahr entnommen werden). Ist der Brunnen außer Betrieb, pumpt die Druckerhöhungsanlage im Hochbehälter Margertshausen Wasser Richtung Döpshofen. Der Brunnen hat im Normalbetrieb eine fest eingestellte Zeit (ca. 6 Stunden), während der er läuft. Außerhalb dieser Zeitregelung, wenn der Brunnen also außer Betrieb ist, regelt die Druckerhöhungsanlage nach Wasserdruck. In der nach Döpshofen führenden Leitung im Hochbehälter Margertshausen sitzt ein Druckaufnehmer, welcher konstant den Wasserdruck misst. Fällt der Druck, pumpt die Anlage mehr Wasser nach Döpshofen; steigt der Druck, pumpt die Anlage weniger Wasser oder schaltet komplett aus. Tests haben ergeben, dass Veränderungen des Drucks im Ortsnetz Döpshofen innerhalb weniger Millisekunden im HB Margertshausen messbar sind. Zwei weitere wichtige Komponenten in diesem System sind das sogenannte „Druckhalteventil“ und ein elektrisch betriebener Schieber, welche beide in der nach Döpshofen führenden Rohrleitung vor dem Druckaufnehmer sitzen. Ist der Brunnen in Betrieb, muss der E-Schieber geöffnet sein, damit das Wasser in den Hochbehälter fließen kann. Gleichzeitig sorgt das Druckhalteventil dafür, dass trotz Durchfluss der Druck im Ortsnetz Döpshofen gehalten wird (ohne dieses Druckhalteventil würde das Ortsnetz Döpshofen leerlaufen). Ist nicht der Brunnen, sondern die DEA in Betrieb, ist der E-Schieber geschlossen, da die Pumpen das Wasser ansonsten im Kreis fördern würden. Die Kommunikation zwischen den Anlagen erfolgt über das Handynetz (LTE-Verbindung). Aus Sicherheitsgründen schaltet der Brunnen Döpshofen aus und die Druckerhöhungsanlage Margertshausen ein, sobald der Brunnen feststellt, dass die LTE-Verbindung abgebrochen ist. Steht die Verbindung wieder, so schaltet der Brunnen ein und die DEA aus; gleichzeitig bewegt sich auch der E-Schieber mit. Problematisch ist nun, dass es immer wieder zu sehr häufigen Verbindungsabbrüchen kommt (Problem auf Seiten des Providers), wodurch die Wassersäule in den Rohrleitungen immer wieder in ihrer Fließrichtung umgekehrt wird. Eine Folge daraus sind Druckschwankungen, welche von den Bürgern und Bürgerinnen bemerkt werden. Darüber hinaus wurde Anfang Dezember 2020 festgestellt, dass der Brunnen Döpshofen in gewissen Situationen hochfrequente Druckschwingungen verursacht; der Grund hierfür war bis vor kurzem allerdings unklar. Beides zusammengenommen hat mit großer Wahrscheinlichkeit zu den Rohrbrüchen geführt. Aufgrund der unklaren Situation bezüglich Druckschwankungen und mögliche Ursachen, hat die Gemeindeverwaltung Ende Oktober 2020 einen Sachverständigen und Rechtsanwalt hinzugezogen. Zusammen mit der für den Bau der gesamten Elektro- und Fernwirktechnik inkl. der Programmierung der Anlage beauftragten Firma, wurden seither verschiedene Tests und Anpassungen an der Programmierung vorgenommen, was auch zu ersten Verbesserungen der Situation geführt hat. Im Zuge dessen wurden im Ortsnetz Döpshofen in manche Unterflurhydranten sogenannte Drucklogger eingebaut. Auf diese Weise kann das Druckverhalten besser beobachtet und Ursachen für Störungen zügiger beseitigt werden. Beim letzten Test Anfang Februar wurde festgestellt, dass die am Brunnen Döpshofen eingestellte Fördermenge nicht optimal auf die hydraulischen Verhältnisse des Rohrnetzes eingestellt sind. Folge waren die bereits genannten Druckschwingungen, welche durch eine Reduzierung der Fördermenge beseitigt werden konnten. Mittlerweile ist die Gemeindeverwaltung zusammen mit den genannten Fachpersonen auf einem guten Weg zu einem zufriedenstellenden Anlagenbetrieb. Trotzdem gibt es noch einige Aufgaben zu bewältigen, bis ein optimaler Betrieb erreicht ist. 

Fortsetzung von Frage 3: Zusammenfassend stellen wir also fest: Der Ortsteil Döpshofen, der bis vor wenigen Jahren eine eigene, funktionierende Wasserversorgung hatte, noch dazu mit einer hervorragenden Wasserqualität ausgestattet, hat bis jetzt vom Neubau einer Trinkwasseranlage in Margertshausen keinerlei Verbesserung in der Wasserversorgung erfahren. Das Gegenteil ist eingetroffen (siehe Schilderung oben!) und so kann es zukünftig nicht bleiben oder weiter gehen! Aufgrund dieser - mit Sicherheit noch unvollständigen, aber erweiterbaren - Ausführungen stellen wir betroffenen und besorgten Bürgerinnen an die Verantwortlichen der Gemeinde (Bürgermeister und Gemeinderatsmitglieder) nun den Antrag auf eine schriftliche Stellungnahme innerhalb von 4 Wochen nach Übergabe dieses Schreibens zu den nachfolgend gestellten Fragen bzw. Forderungen. Da noch kein Ortssprecher/Ansprechpartner benannt/gewählt ist, werden alle Bürgerinnen und Bürger über die Entwicklung der Wasserproblematik in Döpshofen ggf. über das Amtsblatt oder Flugblatt informiert.  

Antwort Gemeinde: Die Sorgen und Verärgerung der Döpshofer Bevölkerung sind absolut nachvollziehbar. Der jetzige Zustand ist weder für die Bürger noch für die Gemeindeverwaltung akzeptabel, weswegen auch Information der Gemeindeverwaltung zur Situation der Wasserversorgung in Döpshofen 5 ständig an einer Verbesserung der Situation gearbeitet wird. Ziel war und ist es, dass alle Einwohner der Gemeinde Gessertshausen über eine Wasserversorgung gemäß dem Stand der Technik verfügen. Wir bedauern, dass insbesondere der Ortsteil Döpshofen von den Verbesserungsarbeiten in der Wasserversorgung noch nicht umfassend profitieren konnte. Für die kommenden 12 Monate sind viele Maßnahmen in Döpshofen geplant, damit die Trinkwasserversorgung in Döpshofen am Ende diesen Jahres auf das gleiche Niveau wie in den anderen Ortsteilen gelangt.

4. Jeder Bürger bezahlt — je nach Wasserverbrauch — die entsprechenden Kosten für die Bereitstellung von Trinkwasser und das ist gut so! Dafür trägt aber auch die Gemeinde für eine solche reibungslose Trinkwasserversorgung die Verantwortung. Wie stellt sich die Gemeinde Gessertshausen angesichts der oben dargestellten und nicht weg zu diskutierenden Probleme das zukünftige Konzept der Trinkwasserversorgung für Döpshofen ganz generell vor?

Antwort Gemeinde: Grundlegend für den Betrieb einer Wasserversorgung sind die sogenannten allgemein anerkannten Regeln der Technik, welche gemäß der Trinkwasserverordnung eingehalten werden müssen. Auf dieser Basis wurde 2015 erstmals ein Versorgungskonzept für die Wasserversorgung der Gemeinde Gessertshausen erstellt. Das Konzept beschreibt den Ist- und Soll-Zustand und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit der Soll-Zustand erreicht wird. Das Versorgungskonzept wird laufend fortgeschrieben, da manche Arbeiten bereits erledigt sind und manche Punkte aufgrund veränderter Rahmenbedingungen angepasst werden müssen. Die größten Projekte, die für die kommenden Jahre anstehen, sind: a. Neubau der Trinkwasseraufbereitungsanlage Deubach b. Neubau der Trinkwasserleitung zwischen Weiherhof und Döpshofen c. Erneuerung der Hauptleitung in Döpshofen d. Sanierung des Trinkwassernetzes in Döpshofen e. Neubau der Trinkwasserleitung zwischen Gessertshausen und Margertshausen f. Verlängerung des Wasserrechts für den Brunnen Döpshofen (evtl. Sanierung oder Neubau notwendig  Auflage des Landratsamtes Augsburg) Generell muss bedacht werden, dass es für die Gemeinde Gessertshausen nur eine Wasserversorgung gibt, welche aus verschiedenen Bestandteilen aufgebaut ist. Jeder dieser Bausteine leistet seinen Beitrag zum Ganzen, unabhängig davon, in welchem Ortsteil er steht. Diskussionen um „mein“ oder „dein“ sind in der Wasserversorgung nicht zielführend. 

5. Wie sieht die vertragliche Vereinbarung hierzu mit der SWA aus?

Antwort Gemeinde: Zwischen der Gemeinde Gessertshausen und der Stadtwerke Augsburg Wasser GmbH existiert ein Betriebsführungsvertrag. Während die Stadtwerke die technische Verantwortung tragen, ist die Gemeinde weiterhin Eigentümerin aller Anlagen. Letztendlich entscheidet über geplante Maßnahmen immer der Gemeinderat. Gemeinsames „Arbeitspapier“ ist das unter 1.) erwähnte Versorgungskonzept. Fortsetzung von Frage 5: Was kostet die Betreuung durch die SWA? Antwort Gemeinde: Die Kosten bewegen sich in dem Bereich, was die Gemeinde für die Arbeitsstelle eines Wassermeisters bezahlen müsste (gesamte Personalkosten).

6. Bis zu welchem Zeitpunkt ist eine zuverlässige Löschwasserversorgung sichergestellt?

Antwort Gemeinde: Die Schwächen in der Löschwasserversorgung sind in der zurzeit noch zu gering dimensionierten Wasserleitung zwischen Döpshofen und Weiherhof und dem Optimierungsbedarf in der Anlagensteuerung begründet. Die Wasserleitung wird in 2021 gegen eine neue, größere dimensionierte Wasserleitung ausgetauscht; die Arbeiten an der Anlagensteuerung laufen derzeit. Dann ist auch die Löschwasserversorgung wieder sichergestellt. Größere Sicherheit entsteht auch durch die Erneuerung der Hauptleitungen in Döpshofen, da die alten Asbestzementleitungen mittlerweile sehr bruchanfällig sind. In der kommenden Woche wird die FFW Döpshofen zusammen mit der Gemeindeverwaltung einen Hydrantentest durchführen, um die Löschwasserleistung zu belegen.

7. Warum und auf welcher Basis wurde der Hochbehälter in Döpshofen abgeklemmt, obwohl das neue System nicht zuverlässig und fehlerfrei funktioniert? 

Antwort Gemeinde: Der Hochbehälter in Döpshofen war am Ende seiner technischen Lebensdauer und musste aufgrund des großen Risikos für die Trinkwasserhygiene abgetrennt werden. Neben der sich auflösenden Beschichtung (in den Wasserkammern), lag in großen Bereichen auch schon die Armierung frei. Das Gebäude insgesamt war undicht, so dass Insekten und anderes Getier eindringen konnte. Zudem war das Gebäude nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen.

Fortsetzung von Frage 7: Wurden auch Sanierungsmaßnahmen/ Konzepte für die existierenden Hochbehälter in Betracht gezogen?  

Antwort Gemeinde: Ja, auch diese Möglichkeiten wurden geprüft. Da die Gemeinde eine gemeinsame Wasserversorgung betreibt, wurden in den Jahren 2012 bis 2014 alle bestehenden Hochbehälter (Deubach, Margertshausen und Döpshofen) untersucht. Die Überprüfung der Behälter gemäß den allgemein anerkannten Regeln der Technik wurde durch die Stadtwerke Augsburg Wasser GmbH durchgeführt. Parallel dazu führte die LGA Bautechnik TÜV eine betontechnologische Untersuchung durch, um den Zustand des Betons, der Beschichtungen in den Wasserkammern und in letzter Konsequenz der Statik einschätzen zu können. Auf Basis dieser beiden Prüfungen hat anschließend das Ingenieurbüro Sweco Vorplanungen und Kostenschätzung aller möglichen Varianten durchgeführt. Die beiden größten Probleme waren die zu geringe Speicherkapazität der Behälter und der schlechte Zustand der Wasserkammern. Um den Bestand zu erhalten, hätten die drei bestehenden Behälter saniert werden müssen und am Standort Margertshausen wäre ein Anbau nötig gewesen, um die fehlende Speicherkapazität zu ergänzen. Allerdings wäre diese Variante im Vergleich zum dann durchgeführten Neubau an zentraler Stelle um ca. 1 Mio. € netto teurer gewesen. Das war der Grund, warum sich der Gemeinderat Gessertshausen in seiner Sitzung am 27.07.2015 für den Neubau an zentraler Stelle entschieden hat.

Fortsetzung von Frage 7: Besteht die Möglichkeit der Einsicht in das erstellte Gutachten?  

Antwort Gemeinde: Eine Herausgabe der Gutachten ist nicht möglich (auch keine Kopien), allerdings kann jeder Interessierte im Rathaus Einsicht in die Gutachten nehmen. Zur Terminvereinbarung bitte bei Frau Wörle unter der 08238 – 3006 25 oder per E-Mail andrea.woerle@vg-gessertshausen.de melden. 

8. Wer kommt für die in Zukunft vermutlich aufgrund der hohen Druckschwankungen vermehrt auftretenden Rohrbrüche finanziell auf?  

Antwort Gemeinde: Ziel ist die Beseitigung bzw. Minimierung der Druckschwankungen, so dass es nicht mehr zu druckinduzierten Rohrbrüchen kommt. Eine wesentliche Verbesserung wird auch durch den Austausch der alten Asbestzement-Leitungen gegen moderne PE-HD-Leitungen erreicht. Die AZ-Leitungen sind mittlerweile sehr bruchanfällig und müssen deswegen ausgetauscht werden.

Fortsetzung von Frage 8: Werden diese zunehmenden Mehrkosten auf alle Bürgerinnen und Bürger des Gemeindegebietes umgelegt? 

Antwort Gemeinde: Die Kosten der Wasserversorgung werden über Gebühren und Beiträge auf alle Bürger umgelegt. Sollten Dritte einen Schaden verursachen (z. B. Beschädigung der Wasserleitung durch Baumaßnahmen einer Firma), so müssen diese die gesamten Kosten der Schadensbeseitigung tragen. 

9. Wird nach behobenen Wasserrohrbrüchen und extremen Druckschwankungen die Qualität des Wassers getestet?  

Antwort Gemeinde: Ja, wird sie. Es gab bisher keine Auffälligkeiten. Bei Rohrbrüchen ab einer Dimension von DN 80 wird zudem grundsätzlich das Gesundheitsamt informiert.

Fortsetzung von Frage 9: Wie steht es um die Transparenz dieser Werte? 

Antwort Gemeinde: Einmal pro Jahr werden die Daten der Trinkwasserqualität auf der Homepage veröffentlicht (wird für 2021 in den kommenden Tagen erfolgen); eine anlassbezogene Veröffentlichung wird nur in seltenen Fällen gemacht. Das hat nichts mit einem mangelnden Willen zur Transparenz zu tun, sondern mit der Auslastung der Mitarbeiter. Selbstverständlich können sich aber interessierte Bürger jederzeit an die Gemeindeverwaltung wenden und werden entsprechend informiert. Einblicke in die Prüfberichte sind ebenfalls möglich (zur Terminvereinbarung bitte bei Frau Wörle melden).  

Fortsetzung von Frage 9: Wird hier an kritischen Punkten mit wenig Wasserabnahme - auch in der Nähe, der vom Schaden betroffenen Stellen getestet - nicht nur am Brunnen oder im Bürgerhaus Döpshofen? 

Antwort Gemeinde: Beprobt werden die offiziell zugelassenen Probenahmestellen, die auch entsprechend ausgestattet sind. Diese Stellen werden nicht willkürlich von der Gemeinde ausgesucht, sondern in Absprache mit dem Gesundheitsamt ausgewählt. Die Entnahme von Wasserproben an anderen Stellen wäre zwar grundsätzlich möglich, ist allerdings aufgrund der nicht passenden Ausstattung (es muss ein abflammbarer Edelstahlhahn mit Kugelhahn vorhanden sein) nicht angeraten.  

10. Wie sieht das Notfallkonzept der Gemeinde Gessertshausen bei einem Schaden am Trinkwassernetz aus? Gibt es ein solches Trinkwassernotfallkonzept"? 

Antwort Gemeinde: Jeder Wasserversorger muss einen Maßnahmeplan haben, welcher im Endeffekt auch als „Notfallkonzept“ bezeichnet werden kann. Der Maßnahmeplan ist laufend fortzuschreiben und dem Gesundheitsamt zur Genehmigung vorzulegen. Unter der Frage 11 ist beschrieben, wie mit einem Rohrbruch umzugehen ist. Sollte eine Reparatur nicht zeitnah möglich sein, so ist im Maßnahmeplan beschrieben, wie weiter vorzugehen ist. Dies betrifft unter anderem die Information der Bevölkerung, Bezugsmöglichkeiten von Flaschenwasser bzw. von Trinkwasserbehältern und inwiefern andere Organisationen (z. B. Feuerwehren) unterstützen können. Der derzeitige Maßnahmeplan liegt seit 2018 dem Gesundheitsplan zur Genehmigung vor; leider ist bis dato kein Rücklauf erfolgt. Auf Anregung der Gesprächsteilnehmer vom 29.01.2021 wird darüber hinaus eine Lösung erarbeitet, inwiefern für Großtiere (Rinder, Pferde, etc.) im Störungsfall eine Versorgung mit Tränkewasser notfallmäßig sichergestellt werden könnte. Ein möglicher Ansatz ist die Bereitstellung von mobilen 1000- Liter-Behältern.

Fortsetzung von Frage 10: Wer sind die konkreten, erreichbaren Ansprechpartner?  

Antwort Gemeinde: Im Maßnahmeplan sind auch die zuständigen Stellen genannt. Darüber hinaus können sich die Bürger während der normalen Arbeitszeiten jederzeit an die Gemeindeverwaltung im Rathaus oder an den Wasserwart Herrn Schenzinger wenden. Zudem steht rund um die Uhr die Störmeldenummer zur Verfügung, welche bei den SWA aufgeschaltet ist.  

11. Welches zeitliche Ziel von der Meldung einer Störung bis zu ihrer Behebung verfolgt hier die Gemeinde Gessertshausen bzw. die Stadtwerke Augsburg? 

Antwort Gemeinde: Ziel ist, dass der gemeldete Schaden so schnell als möglich begutachtet wird und die Schieber geschlossen werden, so dass kein weiteres Wasser mehr austritt. Anschließend werden der Schadensausmaß, die Anzahl der Kunden und die Konsequenzen für sie und mögliche Schadensfolgen bewertet. Je nach Ergebnis wird die Schadensbehebung z. B. auf den nächsten (Werk-)Tag verschoben oder auch sofort durchgeführt. 

12. Ist es vertretbar, dass das austretende Wasser bei einem Wasserrohrbruch nach seiner Meldung noch ca. 6 Std. vor sich hin sprudelt und kostbares Trinkwasser vergeudet wird, obwohl gleichzeitig im Ort erfahrene Bürger (ehemaliger Gemeindemitarbeiter, Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr) wären, die zeitnah die betroffenen Straßenzüge absperren und die Einwohner informieren können!? 

Antwort Gemeinde: Nein, ist es nicht. Siehe auch weiter oben „Rohrbruch am 08.12.2020“.


13. Haben die Verantwortlichen der Gemeinde in Betracht gezogen, sich von der Betreiberfirma zu trennen, sollte diese die Problematik nicht in absehbarer Zeit lösen können? 

Antwort Gemeinde: Zwischen der Gemeinde Gessertshausen und den Stadtwerken Augsburg besteht ein gültiges Vertragsverhältnis. Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass man sich auch bei Meinungsverschiedenheiten immer gemeinsam um die beste Lösung bemüht. Auch mögliche Fehlentscheidungen (unabhängig von wem diese getroffen worden sind) müssen gemeinsam besprochen werden, damit es zukünftig besser gemacht werden kann.

Oberstes Ziel für heute und für die Zukunft ist immer eine gut funktionierende und wirtschaftliche Trinkwasserversorgung für die gesamte Gemeinde Gessertshausen. Die Gemeindeverwaltung erkennt an, dass dieses Ziel und der Weg dorthin in der Vergangenheit nicht immer optimal an die Bevölkerung kommuniziert wurden. Dies war niemals in der Absicht begründet, Informationen zurückzuhalten, sondern in der Regel der hohen Arbeitsauslastung und in manchen Fällen auch einer gewissen betrieblichen Routine geschuldet. Zukünftig möchten wir die Information verbessern, damit Abläufe in der Wasserversorgung und die jeweils nötigen Maßnahmen für die Bürger und Bürgerinnen besser nachvollziehbar sind. Helfen Sie uns bitte dabei, dieses Ziel zu erreichen: Stellen Sie Fragen, informieren Sie sich bei uns, wir stehen Ihnen hierfür jederzeit gerne zur Verfügung! 

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