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Verwaltungsgemeinschaft Gessertshausen  |  E-Mail: info@gessertshausen.de  |  Online: http://www.vg-gessertshausen.de

Im Interview: Bernhard Atzkern vom Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben (ALE)

Bernhard Atzkern
Bernhard Atzkern, seit April 2013 zuständiger Projektleiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Schwaben für die Gemeindeentwicklung Gessertshausen

Das Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben (ALE) fördert Gemeindeentwicklung. So auch das Projekt in Gessertshausen. Seit Ende Oktober liegt nun der Schlussbericht des Gemeindeentwicklungsprojektes in Gessertshausen vor. Damit ist die vom ALE finanziell unterstützte Phase abgeschlossen. Der ÖIK hat mit Bernhard Atzken über Gemeindeentwicklung und Bürgerbeteiligung gesprochen.

 

 

Der Abschlussbericht für Gesserthausen liegt nun vor. Was könnten aus Sicht des ALE die nächsten Schritte in Gessertshausen sein?
Im Bericht zum Gemeindeentwicklungskonzept Gessertshausen wird eine Maßnahmenliste erarbeitet mit Hinweisen auf die Möglichkeiten des Instrumenteneinsatzes der Verwaltung für Ländliche Entwicklung. Nach Abschluss des Gemeindeentwicklungskonzeptes ist nun die Gemeinde Gessertshausen für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen verantwortlich.

Die Maßnahmenliste in der für Gessertshausen vorliegenden Ergebnisdokumentation enthält eine Reihe von Aktionen und Vorschlägen, für die beim Amt für Ländliche Entwicklung Fördergelder beantragt werden können.

 

Entstehen aus Sicht des ALE auch Risiken durch Gemeindeentwicklungsprojekte und Bürgerbeteiligung?

Bürgerbeteiligung in der Gemeindeentwicklung ist durchaus eine anspruchsvolle Aufgabe, die einer professionellen Unterstützung bedarf. Gerade durch die intensive Einbindung der Bürger wird letztlich eine hohe Akzeptanz bei der Bevölkerung erreicht, mit der die Umsetzung gemeindlicher Vorhaben wesentlich erleichtert wird.

 

Was sind aus Sicht des ALE die langfristigen Ziele von Gemeindeentwicklungsprojekten?

Gemeindeentwicklung ist Aufgabe jeder Gemeinde. Grundsätzlich geht es darum, ökonomisch, ökologisch und sozial ausgewogene Entwicklungsziele zu definieren und Umsatzstrategien zu erarbeiten, die dazu beitragen, dass ländliche Gemeinden auch in Zukunft attraktiv und liebenswert bleiben. In der heutigen Zeit müssen die Gemeinden dabei auf Herausforderungen wie Strukturwandel in der Landwirtschaft, leerstehende oder leerfallende Bau¬substanz im Ortskern, demografischer Wandel, Verschärfung des ökonomischen Wettbewerbs, Wanderung hin zu Arbeitsplätzen, Energieproblematik und soziale Belange reagieren. Auf der Grundlage eines Gemeindeentwicklungskonzepts kann ein Gemeinderat zielgerichtet entscheiden, welche konkreten Projekte wie und mit welcher Unterstützung umgesetzt werden sollen. Jede Gemeinde muss hierbei einen eigenen und individuellen Weg gehen. Pauschalstrategien gibt es nicht.

 

Man hört bzw. liest vermehrt von Gemeinden, die Bürgerworkshops einrichten. Es scheint als liege plötzlich Bürgerbeteiligung in der Luft. Was geschieht da aus Sicht des ALE?

Die Bürgerbeteiligung ist in Dorferneuerungsprojekten der Verwaltung für Ländliche Entwicklung seit Jahrzehnten eine bewährte und beliebte Vorgehensweise. Wegen der guten Erfahrungen mit dieser Methodik wird sie inzwischen auch in vielen anderen Projekten wie Flurneuordnung, Gemeindeentwicklung oder Integrierte Ländliche Entwicklung erfolgreich eingesetzt.

 

Oder wälzen das ALE und Gemeindeverwaltungen mit den Projekten die Verantwortung für die Zukunft auf die Bürger ab?

Die Möglichkeit der Bürger, bei der Erstellung eines Entwicklungskonzepts ihre Ideen, Meinungen und Wünsche einzubringen, ist im wahrsten Sinne basisdemokratisch und keine Abwälzung der Verantwortung auf die Bürger. Sie ist vielmehr eine Chance für die Bürger bei der Gestaltung der Zukunft ihrer Gemeinde und Heimat mitwirken und Einfluss nehmen zu können.

 

Welche Rolle übernehmen die Projektpartner bzw. Moderatoren in diesen Prozessen - im Falle von Gessertshausen das Planungsbüro Daurer aus Wiedergeltingen?

Bei einer Gemeindeentwicklungsplanung wird der Gemeinde ein geeigneter und akzeptierter Fachplaner bzw. Moderator zur Seite gestellt. Ihm obliegt die fachliche Begleitung, Betreuung und Moderation des Planungsprozesses. Zum Abschluss fasst er die Ergebnisse in Text- und Kartenteilen zusammen.

 

Welche Voraussetzungen bzw. Kriterien muss eine Gemeinde erfüllen, um vom ALE in das Programm aufgenommen zu werden?

Um das Instrument „Gemeindeentwicklung“ nach den Bayerischen Dorferneuerungsrichtlinien nutzen zu können, ist ein Antrag der Gemeinde an das ALE Schwaben notwendig. Voraussetzung für die Aufnahme einer Gemeinde in das Programm ist die Intention, ein tragfähiges Zukunftskonzept unter intensiver Einbindung der Bürger zu erstellen. Die Finanzierung des Projekts obliegt der Gemeinde, sie erhält dafür jedoch hohe staatliche Zuschüsse.

 

Woher stammen die Fördergelder genau?

Die staatlichen Fördermittel zur Erstellung von Gemeindeentwicklungskonzepten werden im Wesentlichen vom Land Bayern und von der Bundesrepublik Deutschland bereitgestellt.

 

Werden solche Gemeindeentwicklungsprojekte derzeit auch in anderen Gemeinden in Schwaben durchgeführt?

Im Dienstbezirk des Amtes für Ländliche Entwicklung Schwaben (ALE Schwaben) wird zurzeit ein Gemeindeentwicklungsprojekt in der Gemeinde Westerheim im Landkreis Unterallgäu durchgeführt. Der Start zweier weiterer Projekte zur Erstellung eines Gemeindeentwicklungskonzepts ist in der Gemeinde Deisenhausen im Landkreis Günzburg sowie in der Gemeinde Fischen i. Allgäu im Landkreis Oberallgäu für das Jahr 2013 vorgesehen.

 

Wie sieht es in anderen Regierungsbezirken Bayerns bzw. in Deutschland aus?

In Bayern werden derzeit fünfzehn Gemeindeentwicklungskonzepte mit Unterstützung durch die Verwaltung für Ländliche Entwicklung erarbeitet.

 

Wie viele Gemeindeentwicklungsprojekte sieht das ALE für Schwaben pro Jahr vor?

Es gibt keine fest Vorgabe für die Zahl der in den nächsten Jahren durchzuführenden Gemeindeentwicklungsprojekte. Dies hängt in erster Linie vom Interesse der Gemeinden ab.

 

Übernimmt Gessertshausen für Schwaben hinsichtlich Gemeindeentwicklung eine Vorreiterrolle?

Im Dienstbezirk des ALE Schwaben ist Gessertshausen gegenwärtig die zweite Gemeinde, die ein Gemeindeentwicklungskonzept erstellt bzw. erstellt hat. Insoweit kommt der Gemeinde Gessertshausen mit ihrem Pilotprojekt durchaus eine Vorreiterrolle zu.

 

Werden die Gemeindeentwicklungen nach einem Standard-Projektrahmen durchgeführt oder werden die Projekte für jede einzelne Gemeinde spezifisch zugeschnitten?

Die Erstellung eines Gemeindeentwicklungskonzepts erfolgt nach einem Standard-Rahmen, der sich an einem Leitfaden für die Erstellung übergemeindlicher Entwicklungskonzepte orientiert. Die Vorgehensweise nach diesem Handlungsrahmen hat sich in der Praxis bewährt und wird mittels geeigneter Modifikationen auf die Planungsebene einer Gemeinde übertragen. Die in einem Gemeindeentwicklungskonzept zu bearbeitenden Handlungsschwerpunkte werden auf die Belange der jeweiligen Gemeinde spezifisch zugeschnitten.
Vielen Dank für das Gespräch!

 

(Das Interview führte Emma Deil-Frank, ÖIK)

 

 

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